10. Das Nordschiff und die Gruft der Herzöge



Wenn Sie von den Stufen des Hochchores nach links in Richtung Nordschiff wandeln, gehen Sie direkt auf die Porträtdarstellungen von Luther und Melanchthon zu.
Als zwei maßgebliche Köpfe der Reformation, sind sie hier durch das auf beide Sandsteintafeln verteilte Zitat aus 1. Korintherbrief aufeinander bezogen: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?"
Die Medaillons waren bereits 1796 einzeln in die Nordwand der Kirche eingemauert.


Rechts davon sind auf den Wänden Medaillons zu sehen, bei denen es sich eventuell um Aufsätze von Epitaphien handelte:
Das Relief des Erzengels Michael – dem Namensgeber der Kirche – und das Medaillon mit der Rosenkranzmadonna – beide aus dem 16. Jahrhundert.
Rechts davon ein weiteres Relief des Erzengels Michael versehen mit der Jahreszahl 1595, Buchstaben und dem Wappen derer von Harling, einem alten hannoverschen Adelsgeschlecht.

Der Name Michael stammt aus dem Hebräischen und bedeutet "Wer ist wie Gott?".
In der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel, wirft Michael mit seinen Engeln den Satan, der dort als Drache bezeichnet wird, aus dem Himmel. Auf diese Bibelstelle geht eine Legende zurück: Gott hatte, bevor die Erde entstand, ein großes Heer von Engeln und Erzengeln erschaffen. Einer von ihnen hieß Michael, ein anderer Luzifer, das bedeutet "Lichtträger". Dieser war auserwählt, das Licht vor dem Thron Gottes zu hüten. Eine Schar Engel um Luzifer erhob sich gegen Gott. Die Engel wollten ihm nicht mehr dienen und riefen aus: "Wir sind selbst wie Gott." Da wurde der Erzengel Michael zornig. Er rief Luzifer und seinen Engeln zu: "Wer ist wie Gott?" Es folgte ein erbitterter Kampf, der damit endete, dass Michael Luzifer und seine Engelschar mit seinem Flammenschwert aus dem Himmel in den Abgrund stürzte. Der Legende nach sinnt Luzifer immer noch auf Rache. Darum setzt er alles daran, die Menschen zu verführen und von Gott zu trennen.
Erzengel Michael steht auf Seiten der gottesfürchtigen Menschen. Er spielt eine große Rolle im Volksglauben. Demnach erstellt er ein Verzeichnis der guten und schlechten Taten eines jeden Menschen, das diesem zunächst am Tag des Sterbens, aber auch am Tage des Jüngsten Gerichts vorgelegt wird, und wonach über ihn gerichtet wird. Er ist der, der die guten und bösen Taten eines Menschen abwägt. Die Seele des Verstorbenen geleitet er auf ihrem Weg ins Jenseits.
Dementsprechend wird Michael mit den Attributen Waage und Flammenschwert dargestellt.

Über der Kreuzabnahme mit dem segnenden Gottvater befindet sich die ehemalige Tür zum Dormitorium des Klosters.
An der Ostwand ist eine Kreuzigungsdarstellung mit metallenem Korpus eingelassen.
Im Nordschiff weiter vorne sind an der Wand zur Abtskapelle Bildnisse von vier Landschaftsdirektoren gehängt. Es sind Eberhard v. Holle († 1586), Johann H. v. Hasselhorst († 1642), Statius Fr. v. Post († 1671) und Joachim Fr. v. Lüneburg († 1764). Ihre Kleidung entspricht nicht mehr denen eines Abtes, sondern eines Landhofmeisters oder auch Landschaftsdirektors.

Wenn Sie nun zurück in den Mittelgang des Kirchenschiffs gehen, so kommen Sie zu einer in den Boden eingelassenen Bronzeplatte. Darunter befindet sich eine Gruft.
Als das Kloster Ende des 14. Jahrhunderts an dieser Stelle wiederaufgebaut wurde, wurden auch die Gebeine der Billunger von der nun zerstörten Burg auf dem Kalkberg in diese Gruft gelegt, die auch für welfische Bestattungen genutzt wurde.
Ihr Einstieg war mit einem Monument bedeckt. Das Monument wurde 1432 von Herzog Bernhard gestiftet und ist heute im Museum Lüneburg zu sehen. 1792 wurde die Gruft geöffnet und untersucht. Sie besteht aus zwei nebeneinanderliegenden, tonnengewölbten Kammern. Alten Aufzeichnungen zufolge war die nördliche der beiden Kammern durch Brettereinlagen in drei Geschosse unterteilt und vollständig belegt, die südliche enthielt die Überreste von fünf Personen.
Vermutlich hat die nördliche Grabkammer alle Gebeine aufgenommen, die aus den Fürstengräbern der alten Klosterkirche auf dem Kalkberg erhoben und nach einer provisorischen Beisetzung in der Pfarrkirche St. Cyriacus hier endgültig bestattet wurden.
Nach ihrer letzten Öffnung in den 1970er Jahren wurde sie für immer verschlossen.

Die Kirchengemeinde St. Michaelis ist heute eine lebendige Gemeinde mit über 7000 Gemeindegliedern.
In dieser Kirche verkünden wir die frohe Botschaft von Jesus Christus, bekennen und leben den Glauben an Gott in Worten, Musik und der Gemeinschaft mit allen Menschen, die kommen.
Wir sind nun am Ende unseres Rundgangs durch die Kirche angelangt. Viel mehr wäre noch zu erkunden. Wenn Sie die Kirche verlassen, dann schauen Sie gerne nach oben, um einen Blick auf das in Norddeutschland einzigartige Glockenspiel zu erhaschen oder gehen Sie außen um die Kirche herum, um im Nordosten des Gebäudes die Reste des einstigen Michaelisklosters zu entdecken.
Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Freude beim Erkunden und danken Ihnen herzlich für Ihr Interesse an unserer Michaeliskirche.